Arbeitsweise

Wenn sie den Namen NARKO-NE hören, denken die Leute oft, das sei eine Vereinigung von ehemaligen Drogenabhängigen. Deshalb begegnen wir vielen Vorurteilen. Wenn Sie den Namen des Vereins jedoch einer/einem Freiwilligen oder MitarbeiterIn, die in dessen Aktivitäten involviert sind, erwähnen, wird den meisten von ihnen Folgendes in den Sinn kommen: Zusammensein in der Natur, Lachen, Gesellschaftsspiele mit Papierchen, Filzstiften und verschiedensten Requisiten, Gespräche über eigene Träume, Wünsche und verschiedenste Situationen, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, wobei alle gleich wichtig und besonders sind. Was diesen Verein einzigartig macht, sind seine besonderen Methoden, Modelle und Arbeitskonzepte.

 

Die Arbeitsphilosophie des Vereins NARKO-NE ist inspiriert vom Buch Eckhard Schiffers Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde? Er vertritt in diesem Buch die These, dass sich Süchte in ihren verschiedenen Formen oft vermeiden lassen, wenn wir die Welt der Kinder und Jugendlichen vor der Zerstörung bewahren. Das können wir erreichen, wenn Kinder und Jugendliche auf dieser Welt die Möglichkeit haben, ihre kreativen Kräfte zu entfalten, wenn sie ihre Träume, Wünsche und Bedürfnisse konkret zur Geltung bringen können und Einzigartigkeit und Entspannung konstruktiv erleben können.

 

Diese These Schiffers und das Model der Salutogenese liegen allen Projekten des Vereins NARKO-NE zugrunde. So ist auch der Leitstern unseres Vereins entstanden, den unsere Freiwilligen, ihre Eltern und LehrerInnen und Fachleute, die in Projekte involviert waren, entwickelt haben. Der Leitstern ist eigentlich eine Anwendung des Modells der Salutogenese (Aaron Antonovsky, 1993) und zeigt alle Faktoren auf, die uns vor einer Sucht fernhalten

Dieser Stern führt uns durch alle unsere Projekte universeller und selektiver Prävention. Die universelle Prävention ist auf alle Kinder und Jugendlichen und deren soziales Umfeld ausgerichtet (Intercity Theaterprojekt, das Magazin Preventeen, Interkulturelle kreative Sommerwochen). Die selektive Prävention richtet sich an Kinder und Jugendliche, die in Gefahr sind, sozial ausgeschlossen zu werden (Älterer Bruder, ältere Schwester, Förderung von Kindern in Risikosituationen).

 

Leitstern der Suchtprävention

Was hilft Menschen, nicht süchtig zu werden?

 

- Ein Tag ausgefüllt mit Aufgaben und Pflichten

- Familie, Traditionen

 - Perspektiven, Bildung

- Ein starker Charakter, Wille und Selbstachtung

- Freunde, gute Gemeinschaft

- Glaube, Werte, Lebenssinn, der richtige Augenblick, ein glücklicher Umstand

- Sport, Musik, Tanz, Vereine, Hobby, Natur

- Wissen um die Wirkung von Drogen, Angst vor den Folgen

 

Modelle und Konzepte

Prävention an sich ist nicht einfach zu definieren. Schwer lässt sich beschreiben, was sie alles umfasst. Sie ist nicht einfach ein Verhindern von Drogen- oder Alkoholkonsum, sondern zielt auf das Aufdecken von Risiken und Tendenzen zu Risikoverhalten in allen Sphären des Lebens. Zu diesem Zweck nutzt NARKO-NE verschiedene Modelle und Konzepte, denen wir in unserer Arbeit folgen.

Als Modell zur Selbsteinschätzung benutzen wir das sogenannte Klaviermodell, in dem die Freiwilligen das Verhältnis von positiven und negativen Faktoren beurteilen. Zur Identifizierung von Schutz- und Risikofaktoren brauchen wir das Bootsmodell. Der Emometer hilft Gefühle und Seelenzustände einzuordnen und die Reservoirmodelle regen an, darüber nachzudenken, welche unsere langfristigen Schutzfaktoren vor Suchtverhalten sind.

Neben den erwähnten Modellen sind drei Konzepte in unserer Arbeit grundlegend: Ein Leben in Einklang mit der Natur – in jeder Aktivität wird auch das ökologische Bewusstsein gestärkt, natürliche Materialien und Energiequellen werden gebraucht, usw.. Praktische Feldforschung – ein sehr nützliches Konzept, vor allem im Preventeen, aber auch in anderen Projekten. So werden die Freiwilligen ermutigt, möglichst viel mit Gleichaltrigen und anderen Menschen Kontakt aufzunehmen und so die Welt um sich zu erforschen. Das dritte Konzept ist Gleichaltrigen (Peer)-Beratung, die als effizienteste Methode gilt, weil sich Gleichaltrige untereinander am besten verstehen. Diese Beratung geschieht unter Kontrolle und mit der Hilfe von Fachleuten.